Montag, 2. Juni 2025 · Ausgabe Nr. 75
5 Stufen der Kommunikation
Dieser Newsletter befasst sich mit den fünf Stufen der Kommunikation, einem Modell, das vom Psychologen Richard Francisco entwickelt und an der Stanford University gelehrt wird. Kommunikation hat immer sowohl rationale als auch emotionale Aspekte. Das Modell beschreibt, wie sich Kommunikation durch zunehmende Interaktionstiefen entwickelt, von oberflächlichen Ritualen bis hin zu zutiefst persönlichen Gesprächen über Gefühle gegenüber der anderen Person.
«Mit jeder Stufe nimmt die Tiefe, das Risiko und das Potenzial für eine echte persönliche Verbindung zu.»
Liebe Freunde,
Diese Woche befassen wir uns mit menschlichen Beziehungen und einem der wichtigsten Modelle der Kommunikation.
Die 5 Stufen der Kommunikation
Interpersonal Dynamics ist ein Kurs, der im MBA Programm der Stanford University angeboten wird.
Es ist der mit Abstand meist besuchte und am Besten bewertete Kurs und viele Absolventen geben an, dass der Kurs ihre Fähigkeit Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen nachhaltig verbessert hat.
Eine der wichtigsten Modelle, die im Kurs besprochen werden, sind die sogenannten 5 Stufen der Kommunikation.
Wenn zwei Menschen miteinander kommunizieren, gibt es immer eine rationale Ebene der Kommunikation und eine emotionale Ebene.
Nun zu den 5 Stufen der Kommunikation
Das von dem Psychologen Richard Francisco entwickelte Modell beschreibt die Entwicklung der zwischenmenschlichen Kommunikation auf fünf Stufen.
Mit jeder Stufe nimmt die Tiefe, das Risiko und das Potenzial für eine echte persönliche Verbindung zu.
Die 5 Stufen der Kommunikation sind
1) Rituale: Eine oberflächliche, routinemässige Interaktionen. Es wird lediglich die Anwesenheit der anderen Person anerkannt.
Beispiel: Seit Jahren laufe ich einem älteren Herren in meiner Nachbarschaft über den Weg und grüsse ihn beim vorbeigehen. Mehr Kommunikation hat bisher noch nicht stattgefunden. Rituale sind inhaltslos.
Richard Francisco verwendet eine Ozean-Metapher, um die Tiefe der einzelnen Kommunikationsebenen zu veranschaulichen. Rituale werden durch eine Möwe illustriert, die hoch über dem Meer fliegt.
2) Erweiterte Rituale: Eine etwas engagiertere Interaktionen, die jedoch innerhalb der sozialen Normen bleiben. Smalltalk. Eine beiläufige Konversation.
Beispiel: Gespräche über das Wetter oder Wochenendpläne.
In der Ozean-Metapher: Der oberste Mast eines Segelschiffs, der sich hoch über dem Wasser befindet.
3) Inhalt: Austausch von sachlichen Informationen, ohne über Persönliches zu sprechen.
Beispiel: Besprechung von Arbeitsaufgaben, z.B. “Konntest du dem Kunden das Angebot bereits schicken?”
Metapher: Auf der Oberfläche des Ozeans dahintreiben.
4) Gefühle zum Inhalt: Persönliche Gefühle im Zusammenhang mit dem besprochenen Inhalt mitteilen.
Beispiel: Begeisterung oder Frustration über eine Aufgabe, z.B. “Ich bin so glücklich über meine neue Aufgabe” oder “Ich bin echt frustriert weil ich mit der Aufgabe nicht vorankomme”.
Metapher: Knapp unter der Meeresoberfläche tauchen.
5) Gefühle zum Gegenüber: Die tiefste Ebene. Beinhaltet den Austausch von Gefühlen über die Beziehung selbst. Das heisst, man drückt Emotionen mit einem Bezug zum Gegenüber aus.
Beispiel: “Ich bin echt glücklich, dass DU in meinem Team bist” oder “DEIN Verhalten hat mich verletzt”.
Metapher: Die Erforschung der Tiefen des Ozeans - erfordert Mut.
Erinnert ihr euch noch an die zwei Ebenen der Kommunikation - die rationale und emotionale Ebene?
Damit zwei Menschen eine echte Beziehung zueinander aufbauen, müssen beide Ebenen “befahren” werden.
Solange wir mit einer Person ausschliesslich rational kommunizieren, baut man keine persönliche Beziehung auf. Etwas fehlt.
Eine echte Verbindung braucht Kommunikation sowohl auf der rationalen als auch auf der emotionalen Ebene.
Mit Blick auf die 5 Stufen der Kommunikation
Auf den ersten drei Stufen (Rituale, erweiterte Rituale, Inhalt) bedienen wir lediglich die rationale Ebene.
Auf den letzten beiden Stufen (Gefühle zum Inhalt und zum Gegenüber) bedienen wir die emotionale Ebene.
Wenn wir unsere Gefühle mitteilen, laden wir den anderen in unsere innere Welt ein.
Im Prinzip sagt man: „Ich vertraue dir genug, um dich sehen zu lassen, was in mir vorgeht.“
Ohne diese Ebene bleiben Beziehungen funktional oder oberflächlich.
Wie die Vertrauensforscherin Brené Brown gezeigt hat, schafft Verletzlichkeit Vertrauen - nicht umgekehrt.
Kurzgesagt: Ohne über unsere Gefühle und Emotionen zu sprechen, kann man keine starken Beziehungen aufbauen!
Insbesondere die fünfte Stufe - die Gefühle zum Gegenüber - ist am Schwierigsten auszudrücken und mit einem Risiko verbunden. Gleichzeitig bietet diese Stufe das grösste Potenzial für eine echte, persönliche Beziehung.
Eine Frage für dich
Wie einfach oder schwer fällt es dir deine Gefühle und Emotionen auszudrücken? Wie häufig kommunizierst du auf der 4. und 5. Stufe?
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