Montag, 9. Februar 2026 · Ausgabe Nr. 108
Strategische Empathie
Dieser Newsletter definiert Empathie neu als ein mächtiges Diagnose- und Performance-Tool für Führungskräfte und geht über die Fehlinterpretation hinaus, sie sei lediglich „nett sein". Er betont, dass strategische Empathie ein tiefes Verständnis der Perspektiven, Motivationen und Herausforderungen anderer ohne emotionale Übernahme erfordert, um letztendlich bessere Entscheidungen zu ermöglichen und Ergebnisse zu verbessern. Der Autor hebt ihre Bedeutung in Führung, Konfliktlösung und Verhandlungen hervor und bestätigt, dass Emotionen wertvolle Datenpunkte sind, die durch Empathie zugänglich werden, wodurch Führungskräfte Reibungspunkte identifizieren und Wettbewerbsvorteile verbessern können.
«Empathie ist nicht „Ich fühle mit dir." Es geht darum: „Ich verstehe, wie du denkst, was dich antreibt und was dich zurückhält – und das beziehe ich in meine Entscheidung mit ein."»
Liebe Freunde,
Diese Woche sprechen wir über Empathie - warum sie fälschlicherweise als “nett zueinander sein” verstanden wird und warum sie eigentlich ein Leistungsinstrument ist.
Ps: Wie ihr bestimmt gemerkt habt, gab es letzte Woche einen Fehler im Newsletter - ich hatte einen Abschnitt doppelt drin und dafür fehlte ein anderer wichtiger Abschnitt. Falls euch der Beitrag und insbesondere der fehlende Abschnitt trotzdem interessiert: Ich habe den korrigierten Beitrag auf meinem Linkedin-Profil gepostet. Hier der Link.
Empathie als Diagnosetool und Leistungshebel
In den letzten Jahren war Empathie fast so etwas wie der moralische Gegenentwurf zu Leistungsdruck, Effizienz und harten KPIs.
Sie galt als die „weiche Seele“ von Führung. Als Zeichen von Menschlichkeit in einer immer härter agierenden Geschäftswelt.
Diese Entwicklung kehrt sich jedoch aktuell um.
Der Leadership Trends Report von SIY Global zeigt, dass 59% der Führungskräfte Empathie inzwischen nur noch als „nice to have“ betrachten. Nicht als notwendig, sondern als Luxus, den man sich in Zeiten von ROI-Druck vielleicht nicht mehr leisten kann.
Das Problem ist, dass Empathie immer noch falsch verstanden wird. Es wird als „Soft Skill“ verkauft, ohne klar messbaren ROI. Erst letzte Woche hörte ich in einem Seminar wieder “wir kommen doch nicht aus der Krise, indem wir einfach nett zueinander sind”.
Doch darum geht es nicht. Empathie ist kein Wohlfühlprogramm. Betrachtet Empathie als Diagnosetool. Als Performance-Werkzeug.
Mir persönlich gefällt der Begriff “strategische Empathie”.
Wichtig: Dabei geht es nicht um Manipulation. Auch das höre ich manchmal in unseren Workshops: “Jetzt soll ich die andere Person manipulieren, in dem ich Empathie vortäusche?”
Doch darum geht es nicht. Der strategische Teil ist entscheidend.
Strategische Empathie heisst nicht: „Ich fühle mit dir.“
Sondern eher: „Ich verstehe, wie du denkst, was dich treibt und was dich bremst - und ich berücksichtige das in meiner Entscheidung.“
Es geht um Verständnis, nicht Gefühlsübernahme.
In der Führung heisst das bspw., dass ich erkenne warum jemand defensiv reagiert.
In Konflikten heisst das bspw., dass ich erklären kann, warum die andere Seite eine andere Meinung hat.
In Verhandlungen heisst das bspw., dass ich die Anreize und Ziele der Gegenseite verstehe.
Emotionen sind Daten. Und ohne Empathie komme ich nicht an sie ran. Empathie liefert die Information. Strategie entscheidet, was ich damit mache.
Eine Studie der Zürich Versicherung zeigt, dass 73% aller Kunden Unternehmen meiden, die keine Empathie zeigen.
Die Studie betont ausserdem, dass Empathie eine „erlernbare Fähigkeit“ ist, die es Führungskräften ermöglicht, Reibungspunkte von Kunden und Mitarbeitern zu identifizieren.
So sei Empathie ein Instrument, mit dem man sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann.
Empathie und Leistungskultur widersprechen sich also nicht. Im Gegenteil.
Wenn ich nicht verstehe, was jemanden blockiert, wovor jemand Angst hat, unter welchem Druck jemand steht, was jemand wirklich motiviert, dann kann ich diese Person auch nicht sinnvoll fordern. Empathie ist die Basis für eine echte, nachhaltige Leistungskultur.
Eine Frage für dich
Habt ihr schonmal Empathie als Leistungshebel erlebt?
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