← Das Archiv

Montag, 1. Dezember 2025 · Ausgabe Nr. 100

Kulturkonflikt

Intercultural Communicationculturecommunication stylesglobal leadershipcross-culturalteam dynamicsmisunderstanding

In dieser Ausgabe

Dieser Newsletter stellt Richard D. Lewis' Modell zum Verständnis interkultureller Kommunikation vor. Das Modell vereinfacht komplexe kulturelle Unterschiede in drei primäre Kommunikationsstile, um Einzelpersonen dabei zu helfen, sich in verschiedenen Umgebungen zurechtzufinden und Missverständnisse in globalen Interaktionen zu reduzieren. Es betont das Verständnis kultureller Tendenzen, anstatt Stereotypen zu fördern.

«Lewis unterscheidet drei grundlegende Kommunikations- und Handlungsstile von Kulturen für den praktischen Einsatz durch Manager bei täglichen Interaktionen.»

Liebe Freunde,

Diese Woche präsentieren wir ein einfaches Modell, um interkulturelle Kommunikation zu erleichtern. Eine kleine Vorwarnung: Das wird heute ein etwas langer Newsletter - aber dafür umso nützlicher!

Andere Länder, andere Sitten

Ich bin zwischen unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen.

Zuhause erlebte ich eine andere Kultur als „draussen“. Irgendwann habe ich angefangen zu verstehen, dass ich zuhause nicht kommunizieren sollte wie draussen - und draussen auch nicht so wie zuhause.

Wieso das so war, habe ich erst verstanden, als ich Lewis’ Modell der interkulturellen Kommunikation kennengelernt habe.

Richard D. Lewis wurde 1930 in England geboren. Bereits in seinen jungen Jahren fing er an sich für Sprachen und andere Länder zu interessieren. So kam er in seiner Jugend nach Finland, wo er eine Sprachschule eröffnete.

Später führte ihn sein Weg nach Portugal, Norwegen und nach Japan, wo er ebenfalls Sprachschulen aufbaute. In Japan wurde er sogar der Lehrer der Kaiserin Michiko. Insgesamt hat er in seiner Laufbahn 135 Länder besucht und in über 20 davon gearbeitet.

Während seiner gesamten Karriere arbeitete er also mit anderen Kulturen zusammen und lernte, sich in unterschiedliche Umgebungen einzufinden. In Meetings, in Verhandlungen, im Alltag. Und er sah immer wieder das Gleiche: Menschen wollten zusammenarbeiten, aber es gab ständig Missverständnisse.

Aus diesen Beobachtungen entstand sein bekanntestes Werk „When Cultures Collide“ und sein Modell der interkulturellen Kommunikation.

Lewis wollte etwas, das praxisnah war. Er war der Meinung, dass frühere Modelle zwar nützlich, für Manager jedoch zu komplex waren - zu viele Dimensionen, die im Alltag schwer zu merken sind.

Wichtig: Lewis selbst sagt ganz klar, dass das Modell kein Schubladendenken fördern soll. Es beschreibt Tendenzen. Wie jedes Modell ist es eine vereinfachte Karte der Realität. Eine Karte dient der Orientierung. Und Menschen sind immer individueller als jedes Modell.

Lewis unterscheidet drei Grundstile, wie Kulturen kommunizieren und handeln. Die meisten von uns liegen irgendwo dazwischen, aber die Pole sind sehr hilfreich, um Unterschiede zu sehen.

1) Linear-aktive Kulturen

Kernidee: „Analysieren. Planen. Ausführen.“

Linear-aktive Kulturen (wie Deutschland, der Schweiz, den Vereinigten Staaten etc.) wirken oft wie ein gut geführtes Projekt. Man hat einen Plan, man folgt dem Plan, und man will am Ende ein sauberes Ergebnis.

Zeit ist dabei wie eine Linie. Man macht Dinge nacheinander. Es gibt eine klare Reihenfolge. Man möchte wissen, was als Nächstes kommt. Für viele ist das beruhigend, weil es Ordnung schafft.

Entscheidungen fühlen sich richtig an, wenn sie logisch sind und wenn der Prozess stimmt.

2) Multi-aktive Kulturen

Kernidee: „Menschen zuerst. Viel Austausch. Vieles gleichzeitig.“

Multi-aktive Kulturen (wie Südamerika, Italien, Spanien etc.) fühlen sich eher wie ein lebendiger Marktplatz an. Viel passiert gleichzeitig.

Menschen reden gerne, oft mit Energie und Emotion.

Vertrauen entsteht nicht nur über Fakten, sondern vor allem über Beziehung. Wenn die Beziehung stimmt, findet man auch einen Weg.

Zeit wirkt hier weniger wie ein genauer Fahrplan und mehr wie ein Rahmen. Dinge dürfen sich unterwegs ändern, wenn es Sinn macht.

Entscheidungen sind oft stärker daran gebunden, wer mit am Tisch sitzt und wie man sich versteht.

3) Reaktive Kulturen

Kernidee: „Erst zuhören. Nachdenken. Dann antworten.“

Reaktive Kulturen (wie China, Japan und weite teile Asiens) wirken von aussen oft ruhig. Aber in dieser Ruhe steckt viel Aufmerksamkeit.

Man hört zuerst zu, versucht die Lage zu verstehen, und spricht erst dann.

Harmonie und Respekt spielen eine grosse Rolle. Man sagt Dinge selten hart oder frontal, weil man den anderen nicht blossstellen will.

Stille ist kein Problem, sondern Teil der Kommunikation.

Zeit passt sich der Interaktion an: Man entscheidet, wenn der Moment reif ist und wenn die Gruppe innerlich mitgeht.

Wichtig: Lewis sagte ganz klar, dass Kulturen nicht besser oder schlechter sind - nur anders. Und wer das versteht, kann besser zusammenarbeiten.

Warum das Modell so nützlich ist

Viele Spannungen entstehen nicht, weil man unterschiedliche Dinge möchte. Sondern weil zwei Menschen mit unterschiedlichen Regeln für Zeit, Gespräch und Entscheidung arbeiten.

Der eine ist direkt und denkt: effizient. Der andere hört das und denkt: kalt.

Der eine redet viel und denkt: Nähe. Der andere erlebt das und denkt: unstrukturiert.

Der eine schweigt und denkt: Respekt. Der andere fühlt: Unsicherheit.

So war es auch bei mir: Zuhause kommunizierte ich plötzlich zu direkt, war konfrontativ und das sorgte für Spannungen. Draussen kommunizierte ich zu diplomatisch und vorsichtig - und wurde deswegen nicht gehört, gesehen oder verstanden.

Das Lewis Modell hilft, diese Unterschiede früher zu sehen. Und sich besser darauf einzustellen. Nicht perfekt. Aber besser.

Eine Frage für dich

Reflektiert mal, welche eure Mitarbeiter:innen oder Kolleg:innen in welche Kategorie passen und ob ihr schonmal aneinander geraten seid, weil ihr die Unterschiede der Kommunikation nicht berücksichtigt habt.

Neuer Artikel in der Handelszeitung

Die „Handelszeitung“ hat in einem Artikel über unsere Arbeit mit Sportlern geschrieben - und darüber, wie wir Organisationen dabei helfen, eine bessere Führungs- und Unternehmenskultur zu entwickeln. Hier der Link, falls ihr mehr darüber erfahren möchtet.

Hat dieser Newsletter dir gefallen? Dann leite ihn an jemanden weiter, dem er auch gefallen könnte. Die Person kann den Newsletter hier abonnieren.