Montag, 3. November 2025 · Ausgabe Nr. 96
Warren Buffetts ABCs des Unternehmenszerfalls
Dieser Newsletter behandelt Warren Buffetts „ABCs des Geschäftsverfalls" und identifiziert Arroganz, Bürokratie und Selbstgefälligkeit als zentrale interne Bedrohungen für erfolgreiche Unternehmen. Er erklärt, wie jeder Faktor zu einem langsamen, unbemerkten Niedergang führen kann und bietet Führungskräften Gegenmittel an, um Resilienz und Innovation zu kultivieren. Der Autor betont die Bedeutung von Demut, optimierten Prozessen und kontinuierlicher Neugier, um einen Verfall zu verhindern.
«Warren Buffett nennt diese die „ABCs des Unternehmenszerfalls" – drei innere Krankheiten, die selbst die besten Unternehmen über Jahre von innen heraus zerstören können.»
Liebe Freunde,
Diese Woche sprechen wir über das ABC von untergehenden Unternehmen - drei Charakteristiken, die für viele Unternehmen zum schleichenden Untergang führen.
Drei grosse Gefahren für erfolgreiche Unternehmen
Wir arbeiten mit vielen Unternehmen, die Marktführer sind. Erfolgreich. (Noch) Stabil. Respektiert.
Doch Erfolg hat eine Schattenseite: Wenn kein Schmerz da ist, fehlt oft das Gefühl, warum man sich überhaupt verändern sollte.
Solange die Zahlen noch stimmen und die Kunden zufrieden sind, scheint alles in Ordnung. Warum also etwas ändern?
Doch genau hier beginnt oft der schleichende Abstieg - still und unbemerkt. Mit gravierenden Folgen.
Der legendäre Investor Warren Buffett nennt dieses Phänomen die „ABCs of business decay“ (Das ABC des Unternehmenszerfalls) - drei innere Krankheiten, die selbst die besten Unternehmen über Jahre hinweg von innen heraus zerstören können.
A - Arrogance
Arroganz entsteht, wenn Erfolg zur Gewohnheit wird.
Wenn Führungsteams glauben, sie seien unantastbar. Wenn interne Diskussionen zu einem „Wir wissen es besser“ verkommen.
Es zeigt sich in Sätzen wie
„Wir sind unangefochtene Marktführer.“ „Unsere Branche funktioniert anders.“ „Wir haben das schon immer so gemacht.“
Sobald ein Unternehmen aufhört zuzuhören - Mitarbeitenden, Kunden, Marktveränderungen - wird es blind für die Realität.
Die grössten Gefahren lauern dann nicht mehr draussen, sondern drinnen.
Was hilft: Demut kultivieren. Junge Stimmen hören. Annahmen in Frage stellen. Die Kultur des „Was, wenn wir falsch liegen?“ fördern.
B - Bureaucracy
Bürokratie beginnt oft mit guten Absichten - Prozesse sollen helfen, Qualität zu sichern.
Doch irgendwann kippt das System. Dann dienen Prozesse nicht mehr dem Fortschritt, sondern dem Erhalt des Systems selbst.
Jede Entscheidung braucht ein Formular, jede Idee eine Freigabe, jeder Impuls eine Sitzung.
So ersticken Organisationen langsam an ihrer eigenen Komplexität. Menschen hören auf, Verantwortung zu übernehmen, weil sie wissen, dass sie ohnehin auf den nächsten Stempel warten müssen.
Was hilft: Prozesse verschlanken. Entscheidungen dorthin verlagern, wo das Wissen ist. Freiräume schaffen. Verantwortung nach unten geben. Mut belohnen statt Regelkonformität.
C - Complacency
Bequemlichkeit ist vielleicht die gefährlichste Form der Erosion.
Wenn man glaubt, der bisherige Erfolg garantiere den zukünftigen, verliert man die Fähigkeit, sich selbst zu erneuern.
Man reagiert nur noch, statt proaktiv zu gestalten.
Unternehmen, die einst Pioniere waren, werden plötzlich zu Verwaltern ihrer eigenen Vergangenheit.
Innovation wird zu einem Projekt, nicht zu einer Haltung.
Was hilft: Wieder neugierig werden. Den externen Blick einfordern. Sich regelmässig fragen: „Was könnte uns überflüssig machen?“
Und Erfolge nie als Beweis sehen, dass man angekommen ist - sondern als Einladung, weiterzulernen.
Die gefährliche Wahrheit ist: Arroganz, Bürokratie und Bequemlichkeit entstehen genau dann, wenn ein Unternehmen am erfolgreichsten ist.
Man spürt sie nicht sofort. Aber sie wirken wie Risse im Fundament - bis es zu spät ist.
Deshalb ist es die Aufgabe von Führung, diese Signale früh zu erkennen und gegenzusteuern.
Hier ein kurzer Selbstcheck gegen die „ABCs of business decay“
Arrogance Check
Fördern wir Widerspruch und unterschiedliche Meinungen - auch gegen die Chefetage?
Sehen wir uns selbst noch als Lernende - oder glauben wir, alles zu wissen?
Holen wir regelmässig Feedback von Mitarbeitenden, Kunden und Externen ein?
Bureaucracy Check
Wie lange dauert es, bis eine wichtige Entscheidung tatsächlich getroffen wird?
Gibt es Prozesse, die nur noch existieren, weil sie „immer schon da waren“?
Fühlen sich Mitarbeitende ermächtigt, Verantwortung zu übernehmen - oder gebremst durch Hierarchie und Kontrolle?
Complacency Check
Fragen wir aktiv: „Was könnte uns disruptieren?“ oder nur: „Wie können wir wachsen?“
Investieren wir noch ausreichend in Innovation, Weiterbildung und Erneuerung?
Beobachten wir aktiv externe Trends - oder verlassen wir uns auf interne Kennzahlen und alte Erfolgsmuster?
Arroganz, Bürokratie und Bequemlichkeit sind keine Managementfehler. Sie sind menschliche Muster.
Doch gute Führung erkennt sie, bevor sie sich festsetzen.
Eine Frage für dich
Welche dieser drei Gefahren erlebt Ihr aktuell am stärksten in Eurem Umfeld - Arroganz, Bürokratie oder Bequemlichkeit?
Allerletzte Chance: Krise. Kosten. Kultur.
Viele Unternehmen stehen derzeit vor einer doppelten Herausforderung: Auf der einen Seite technologischer, geopolitischer und gesellschaftlicher Wandel - auf der anderen Druck und Kostensenkungsprogramme.
Doch wie hält man eine High-Performance-Kultur aufrecht, wenn Effizienzmassnahmen genau diese Kultur bedrohen?
Wie führt man Teams zu Spitzenleistungen, wenn Unsicherheit und Druck den Alltag bestimmen?
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