Montag, 27. Oktober 2025 · Ausgabe Nr. 95
Accountability: Vom Opfer zum Gestalter
Dieser Newsletter beleuchtet Accountability und definiert den Begriff jenseits eines reinen Buzzwords. Er stellt das Modell der „Accountability Ladder" vor, das zeigt, wie Menschen sich von einer Opferhaltung hin zu einem Ownership-Mindset bewegen können – indem sie Probleme aktiv anerkennen, Verantwortung übernehmen, Lösungen suchen und diese konsequent umsetzen.
«Sprache formt Verhalten. Wenn wir uns bei wichtigen Begriffen nur auf wolkige Formulierungen verlassen, fördern wir Missverständnisse und Frustration.»
Liebe Freunde,
Diese Woche sprechen wir über Verantwortung und zeigen, was echte Verantwortungsübernahme bedeutet.
Was bedeutet Accountability wirklich?
In unseren Leadership-Workshops sprechen wir ständig über Accountability (Verantwortungsübernahme). Doch Hand aufs Herz: Wissen wirklich alle, was damit gemeint ist?
“Accountability” ist ein klassisches Blur Word (vom englischen blurry, also verschwommen/unscharf).
Ein Begriff, den alle verwenden - aber kaum jemand wirklich präzise definieren kann.
Wenn wir sagen: „Accountability ist wichtig.“ oder „Accountability gehört zu unseren Werten.“ - dann klingt das gut, aber es bleibt viel zu vage. Jeder hört etwas anderes. Jeder meint etwas anderes. Und am Ende handelt auch jeder anders.
Ich bin überzeugt: Sprache formt Verhalten.
Wenn wir uns bei wichtigen Begriffen nur auf wolkige Formulierungen verlassen, fördern wir Missverständnisse und Frustration.
Deshalb reicht es nicht zu sagen: „Wir brauchen Accountability.“
Wir brauchen ein gemeinsames Verständnis, was genau damit gemeint ist - und wie es sich im Alltag zeigt.
Ein Modell, das ich dafür sehr hilfreich finde, ist die Accountability-Leiter.
Die Leiter ist in zwei Abschnitte unterteilt
Unterer Abschnitt: Die Opfer-Haltung
Hier wird die Verantwortung externalisiert. Das heisst, die Verantwortung wird nach aussen abgegeben.
Stufe 1: Uneinsichtig sein - “Welches Problem?”
Auf dieser Stufe wird das Problem geleugnet.
Stufe 2: Andere beschuldigen - “Es ist nicht meine Schuld.”
Auf dieser Stufe weist man die Schuld von sich.
Stufe 3: Ausreden - “Ja, aber…”
Auf dieser Stufe rechtfertig man sich mit Ausreden und die Untätigkeit oder der Misserfolg wird rationalisiert.
Stufe 4: Abwarten & hoffen - “Mal schauen - vielleicht löst sich das Problem von selbst."
Auf dieser Stufe wird das Problem passiv geleugnet (nicht aktiv wie auf der 1. Stufe). Die Verantwortung und Entscheidungen werden hinausgezögert.
Auf diesen Stufen kann von Accountability keine Rede sein.
Wer sich hier befindet, ist reaktiv. Wir geben unbewusst die Kontrolle ab, fühlen und machtlos und abhängig von äusseren Umständen.
Oberer Abschnitt: die Macher-Haltung
Im oberen Abschnitt beginnt man tatsächlich accountable zu sein. Man übernimmt aktiv Verantwortung.
Stufe 5: Anerkennen der Realität - “Ich sehe das Problem”
Das Problem wird anerkannt und die Situation ehrlich eingeschätzt.
Stufe 6: Verantwortung/Ownership übernehmen - “Das war meine Verantwortung.”
Man akzeptiert die eigene Verantwortung und gesteht Fehler ein.
Stufe 7: Lösungen suchen - “Ich werde herausfinden, woran es lag und was wir tun können.”
Man übernimmt Initiative und geht in die Problemlösung.
Stufe 8: Make it happen - “Ich ergreife Massnahmen und werde liefern.”
Man geht in den Umsetzungmodus und fokussiert sich auf messbare Ergebnisse.
Auf diesen Stufen beginnt Fortschritt und Weiterentwicklung. Die Situation ist nicht perfekt, aber wir erleben uns selbst als jemand, der gestalten kann. Der Macht und Einfluss über die Situation hat.
Wenn wir im unteren Abschnitt sind, sind wir Teil des Problem - im oberen Abschnitt sind wir Teil der Lösung.
Wichtig: Wir alle bewegen uns auf dieser Leiter ständig rauf und runter. Es ist kein Etikett - es ist eine Frage der Einstellung und des Verhaltens. Und Einstellung und Verhalten kann man verändern.
Eine Frage für dich
Auf welcher Stufe befindest du dich gerade? Und was wäre ein konkreter Schritt nach oben?
Letzte Chance: Krise. Kosten. Kultur.
Wie gelingt High Performance in Zeiten von Druck und Sparprogrammen?
Mit dieser Frage beschäftigen wir uns am 11. November 2025 an unserem After-Work Impuls-Event in München.
Der Anlass richtet sich exklusiv an HR-Führungskräfte und vereint Lösungsansätze aus der Praxis, wissenschaftliche Erkenntnisse und Raum für Austausch und Gespräche.
Falls ihr Interesse habt an dem Anlass teilzunehmen, antwortet direkt auf diese E-Mail. Es ist die letzte Chance sich anzumelden!
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