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Montag, 1. September 2025 · Ausgabe Nr. 88

Verantwortungsdiffusion

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In dieser Ausgabe

Erforscht die Konzepte der Verantwortungsdiffusion, den Bystander-Effekt und soziales Faulenzen und zieht Parallelen zu Szenarien am Arbeitsplatz. Es wird erörtert, wie diese Phänomene erklären, warum Einzelpersonen in Gruppen Verantwortlichkeiten abgeben oder weniger Anstrengung zeigen. Der Newsletter gibt Einblicke, wie ein verantwortungsvolleres und engagierteres Arbeitsumfeld gefördert werden kann.

«Je mehr Menschen anwesend sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer von ihnen tatsächlich handelt.»

Liebe Freunde,

Diese Woche geht es um Verantwortungdiffusion, Soziales Faulenzen und wir zeigen, wie man dem entgegenwirkt.

Warum im Meeting alle zustimmen - und danach nichts passiert

Die beiden Sozialpsychologen John Darley und Bibb Latané führten in den 1960er Jahren eine Reihe von spannenden Experimenten durch.

Ein Experiment erregte dabei besonders viel Aufmerksamkeit

Die Teilnehmer sind entweder alleine oder in kleineren Gruppen unterwegs und beobachten, wie eine Frau stolpert, zu Boden fällt und sich verletzt.

Sind die Testpersonen allein, greifen 70% ein und helfen.

Befinden sie sich in einer Gruppe, greifen nur noch rund 40% ein. [Quelle]

Das Phänomen nennt sich Bystander Effekt (Zuschauer-Effekt) - die menschliche Tendenz, in Situationen, in denen andere anwesend sind, zu einem inaktiven Zuschauer zu werden.

In Situationen mit mehr als fünf Anwesenden sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Intervention um über 50% [Quelle].

Je mehr Menschen anwesend sind, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass einer von ihnen tatsächlich handelt.

Der Bystander Effekt wird auf die sogenannte Verantwortungsdiffusion zurückgeführt.

Menschen neigen weniger dazu, Massnahmen zu ergreifen (also Verantwortung zu übernehmen), wenn sie glauben, dass andere es tun werden.

Sowohl der Bystander-Effekt als auch die Verantwortungsdiffusion lassen sich auch am Arbeitsplatz beobachten.

In einer Studie konnten Forscher zeigen, dass viele Frontmitarbeiter:innen ihre Führungskräfte nicht über Missstände informieren, falls die Missstände allseits bekannt sind [Quelle].

Eine andere Studie zeigt, dass E-Mails, die an nur eine Person adressiert sind ausführlichere und bessere Antworten erhalten als E-Mails mit mehreren Empfängern [Quelle].

Noch spannender sind die Studien des französischen Agrarwissenschaftlers Maximilien Ringelmann.

Bereits 1882 untersuchte er die Effizienz von Pferden, Ochsen und Menschen bei der Arbeit.

In Experimenten liess er sie grosse Lasten ziehen und stellte fest, dass die Leistung von Menschen in Gruppen geringer ist als die Summe der Leistungen, die jeder Einzelne für sich allein erzielen würde.

Je mehr Menschen Ringelmann gleichzeitig an der Last ziehen liess, desto weniger Kraft übte jeder einzelne Teilnehmer aus.

Dieses Phänomen nennt sich Social Loafing (soziales Faulenzen) oder Ringelmann-Effekt. Es beschreibt die Tendenz von Menschen, sich in Gruppenarbeiten weniger anzustrengen als in individuellen Arbeiten.

Was hat das alles nun mit Leadership, Zusammenarbeit und dem Arbeitsleben zu tun?

Wir beobachten ähnliche Situationen in vielen Unternehmen. In wichtigen Meetings nicken alle zustimmend, betonen die Wichtigkeit einer Massnahme - und sobald die Sitzung vorbei ist, fühlt sich niemand verantwortlich dafür.

Wir haben auch schon beobachtet, dass oftmals grosse Projektteams am Ende weniger Resultate produzieren als kleine, hoch fokussierte Teams.

Die beiden Forscher Karau und Williams (1993) fanden in einer Meta-Studie heraus, dass soziales Faulenzen immer dann auftritt, wenn der Beitrag eines Einzelnen nicht klar identifizierbar oder messbar ist.

Ausserdem fanden sie heraus

Der Effekt tritt bei körperlichen und geistigen Aufgaben auf.

Je grösser die Gruppe, desto stärker das Faulenzen.

Männer neigen eher zum sozialen Faulenzen als Frauen - da Frauen eine grössere soziale Verantwortung gegenüber der Gruppe empfinden.

Je interessanter, wichtiger oder bedeutungsvoller eine Aufgabe war, desto weniger neigen die Menschen zum sozialen Faulenzen.

Je besser sich die Menschen in einer Gruppe kennen, desto weniger neigen sie zum Sozialen Faulenzen - dabei ging es insbesondere um das Gefühl der Zugehörigkeit zur Gruppe.

Falls klar war, dass die individuellen Beiträge bewerten werden (Bewertung & Feedback), reduzierte dies ebenfalls Soziales Faulenzen.

Die Lektion für Leader ist klar

Führung heisst Verantwortung sichtbar zu machen.

Führung heisst, jedem Einzelnen das Gefühl zu geben: “Mein Beitrag macht einen Unterschied”.

Und Führung heisst, Aufgaben so zu gestalten, dass sie bedeutsam sind.

Am Ende ist es nicht die Anzahl der Leute, die zählt - sondern wie sehr sich jeder Einzelne verantwortlich fühlt.

Eine Frage für dich

Wie gelingt es euch Verantwortungsdiffusion und soziales Faulenzen in Teams zu verhindern?

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