Montag, 8. September 2025 · Ausgabe Nr. 89
Selbstbild vs. Fremdbild
Das Verständnis des eigenen Selbstbilds im Vergleich zur Fremdwahrnehmung ist für Führungskräfte entscheidend, da nur wenige Menschen sich selbst realistisch einschätzen.
«Studien zeigen, dass nur etwa 15 % der Menschen eine genaue Selbstwahrnehmung haben und ihre Stärken und Schwächen realistisch einschätzen.»
Liebe Freunde,
Diese Woche sprechen wir über Selbsterkenntnis/-wahrnehmung und darüber, wie wichtig es ist, seine eigenen Stärken und Schwächen zu kennen..
Wenn Selbstbild und Fremdbild nicht übereinstimmen
„Super Themen! Alles was Sie da erwähnt haben, mache ich schon.“
So verabschiedete sich neulich ein Teilnehmer nach einem unserer Seminare. Er lobte die Präsentation und war zufrieden.
Das Problem: Wir hatten im Vorfeld kurze Interviews mit den Teilnehmenden geführt - und genau diese Führungskraft war von seinem Team mehrfach für seinen Führungsstil kritisiert worden.
Das ist kein Einzelfall. Wir erleben dieses Muster immer wieder:
Führungskräfte, die sich selbst am stärksten hinterfragen, werden von ihren Teams häufig am besten bewertet.
Führungskräfte, die überzeugt sind, bereits „alles zu wissen“, schneiden oft am schlechtesten ab.
Das zentrale Problem ist also: Die Lücke zwischen Selbstbild und Fremdbild.
Studien zeigen, dass nur etwa 15% der Menschen eine korrekte Selbstwahrnehmung haben und ihre Stärken und Schwächen realistisch einschätzen. Die Korrelation zwischen tatsächlicher und selbst eingeschätzter Kompetenz liegt bei unter 30% [Quelle].
Wer sich selbst nicht klar sieht, trifft schlechtere Entscheidungen, hat mehr Konflikte und arbeitet weniger wirksam mit anderen zusammen.
Der grosse Management-Vordenker Peter Drucker formulierte es treffend: „Erfolg in der Wissensgesellschaft haben diejenigen, die sich selbst kennen - ihre Stärken, ihre Werte und wie sie am besten arbeiten.“
Ein Modell, das in diesem Zusammenhang hilfreich ist, ist das sogenannte Johari-Fenster. Es unterscheidet vier Bereiche:
Öffentlich (oder Arena): Was mir selbst und anderen bekannt ist.
Blinder Fleck: Was andere sehen, ich aber nicht.
Geheim (oder Fassade): Was ich kenne, anderen aber nicht zeige.
Unbekanntes: Was weder mir noch anderen bewusst ist.
Passend zu diesem Modell gibt es eine Methode, um das Selbst- und Fremdbild abzugleichen.
Die Übung besteht darin, dass jede Person ihre eigenen Stärken, Schwächen und Werte notiert.
Danach machen Kolleginnen und Kollegen, die die Person gut kennen, dasselbe - d.h. sie schreiben auf, welche Stärken und Schwächen sie bei der Person wahrnehmen und welche Werte sie mit ihr verbinden.
Danach werden die Begriffe ins Johari-Fenster eingetragen
Wörter, die beide Seiten gewählt haben, landen in der Arena.
Wörter, die nur andere ausgewählt haben, bilden den blinden Fleck.
Wörter, die nur man selbst ausgewählt hat, gehören zur geheimen Fassade.
Nun wird schnell sichtbar, wo Selbst- und Fremdbild übereinstimmen und wo sie auseinandergehen.
Manche entdecken dabei Stärken, die ihnen selbst kaum bewusst waren. Andere erkennen Schwächen, die das Umfeld schon lange wahrnimmt, die sie selbst aber bisher verdrängt haben.
Das kann herausfordernd sein. Manchmal sogar unbequem.
Aber genau hier liegt das Potenzial: Wer die Lücken zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung erkennt und bereit ist, Feedback anzunehmen, gewinnt mehr Klarheit über sich selbst und baut gleichzeitig Vertrauen und Verbindung im Team auf.
Das ultimative Ziel besteht darin, die Arena zu vergrössern.
Eine Frage für dich
Wie geht ihr mit der Lücke zwischen Selbst- und Fremdbild um - besonders in eurer Rolle als Führungskraft?
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