Montag, 25. August 2025 · Ausgabe Nr. 87
Erfolg & Erfüllung: Wenn Erfolg nicht erfüllt
Dieser Newsletter beleuchtet das Konzept der „Arrival Fallacy" und dessen Auswirkungen auf Hochleistungsträger im Sport und in der Wirtschaft. Er geht auf die Erfahrungen von Scottie Scheffler, einem Top-Golfer, ein, der öffentlich seine Schwierigkeiten teilte, trotz immensen beruflichen Erfolgs dauerhafte Erfüllung zu finden. Der Beitrag ermutigt Führungskräfte, ihre eigenen Ziele zu reflektieren, Erfolg jenseits traditioneller Metriken neu zu definieren und dem, was wirklich zählt, für nachhaltiges Wohlbefinden Priorität einzuräumen.
«Die „Arrival Fallacy" beschreibt den Trugschluss, dass das Erreichen eines großen Ziels zu dauerhafter Erfüllung führt, während sich in Wirklichkeit oft schnell eine neue Normalität einstellt.»
Liebe Freunde,
Diese Woche geht es um Erfolg, der sogenannten Arrival Fallacy und der Frage, ob wir wirklich die richtigen Ziele verfolgen.
Welchem Ziel jagst du nach?
Scottie Scheffler ist einer der erfolgreichsten Golfer der letzten Jahrzehnte. Er hat in seiner Karriere alles gewonnen, was man gewinnen kann. 22 PGA-Titel, darunter vier Majors, über 100 Millionen Dollar Preisgeld und seit über 100 Wochen unangefochten die Nummer 1 der Welt.
Vor einigen Wochen hielt Scheffler während einer Pressekonferenz eine Rede, die mich emotional sehr berührt hat. Es war wohl eine der ehrlichsten und verletzlichsten Ansprachen, die ich je von einem Top-Athleten gehört habe.
Er sprach über etwas, worüber Spitzensportler an der Spitze selten reden: Erfolg & Erfüllung.
Scheffler gab zu, dass seine Erfolge auf dem Golfplatz oft nur flüchtige Freude bringen und ihn nicht wirklich glücklich machen. Dass sie nicht das füllen, was er „the deepest places of your heart“ nennt. Und dass er, bei aller Liebe zum Golf, lieber ein guter Vater wäre als ein grossartiger Golfer.
Das, was Scheffler beschreibt, kennen viele High Performer - nicht nur im Sport, sondern auch im Geschäftsleben.
Man setzt sich Ziele, kämpft jahrelang, erreicht sie. Dann spürt man, dass das Glück flüchtiger ist, als man dachte.
Die positive Psychologie spricht hier von der Arrival Fallacy - dem Irrglauben, dass das Erreichen eines grossen Ziels uns dauerhaft erfüllt.
In Wahrheit tritt oft rasch eine neue Normalität ein. Was gestern noch der grosse Traum war, fühlt sich morgen schon wieder selbstverständlich an.
Wir erleben das oft im Coaching. Führungskräfte, die C-Level-Positionen erreichen und plötzlich feststellen, dass Erfolg nicht nur keine Erfüllung bringt, sondern auch seine Nachteile haben kann. Alte Beziehungen werden distanzierter, ehrliches Feedback nimmt ab, und sie stehen häufiger im Fokus der Kritik.
Doch trotz dieser Klarheit hat Scheffler nicht aufgehört zu spielen. Im Gegenteil: Nur wenige Tage nach dieser Pressekonferenz gewann er die British Open und spielte die beste Runde seines Lebens.
Aber er tat es mit einer anderen Haltung. Golf ist für ihn kein Gipfel mehr, den er erklimmen muss.
Was können wir daraus lernen?
1) Reflektion, Reflektion, Reflektion.
Es lohnt sich regelmässig innezuhalten und sich selbst zu fragen, ob man noch auf dem richtigen Pfad ist. Ob man noch die richtigen Ziele verfolgt. Und vorallem WARUM wir genau diesen Zielen nacheifern. Warum willst du die Beförderung? Warum willst du führen? Warum willst du dieses Ziel erreichen?
2) Was ist Erfolg? Für Scheffler bedeutet Gewinnen nicht mehr nur Erfolg auf dem Golfplatz, sondern beim gemeinsamen Abendessen Zuhause zu sein. Die kleinen Momente mit seiner Familie seien für ihn das Wichtigste. Wir müssen Erfolg anders definieren. Eine Definition, die Familie, kleine Alltagsmomente und Sinn genauso einschliesst wie beruflichen Erfolg.
3) Fokus auf das Wesentliche.
Scheffler liebt Golf noch immer. Aber in der Pressekonferenz sagt er auch: Falls Golf jemals der Beziehung mit seiner Familie schaden sollte, würde er sofort mit dem Sport aufhören. Er kennt seine Prioritäten und seinen Fokus.
Hier das Video von der Pressekonferenz mit Scottie Scheffler - sehr empfehlenswert
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