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Montag, 18. August 2025 · Ausgabe Nr. 86

Werden wir durch ChatGPT dümmer?

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In dieser Ausgabe

Neue Forschung untersucht die Auswirkungen von KI-Tools wie ChatGPT auf kognitive Fähigkeiten. Studien zeigen, dass der Einsatz von KI zu einer schnelleren Aufgabenerledigung führt, aber auch zu einer verminderten Gehirnaktivität und einer reduzierten Gedächtnisleistung. Dieses Phänomen, als kognitives Offloading bezeichnet, kann bei übermäßiger Abhängigkeit zu „kognitiver Atrophie" führen, insbesondere bei jüngeren Generationen.

«Der Einsatz von KI-Tools führte dazu, dass die Teilnehmer Aufgaben 60 % schneller erledigten, ihre Gehirnaktivität jedoch um 47 % abnahm und auch nach dem Experiment niedriger blieb.»

Liebe Freunde,

Diese Woche zeigen wir euch die interessanten Erkenntnisse der Forschung über die Nutzung von AI Tools wie ChatGPT und deren Auswirkungen auf unsere mentalen Fähigkeiten.

Macht uns ChatGPT dümmer?

Habt ihr auch das Gefühl, dass euch gewisse Aufgaben mehr anstrengen, seit ihr ChatGPT nutzt?

Das ist nicht nur ein Gefühl. Neue Forschung bestätigt es.

In einer MIT-Studie wurden die Teilnehmer gebeten einen Text zu schreiben - einmal ohne Hilfe, einmal mithilfe von Suchmaschinen wie Google und einmal mithilfe von KI-Tools wie ChatGPT. Während der Aufgabe wurden die Gehirne der Teilnehmer gescannt [Quelle]

Die Teilnehmer, die KI nutzten waren 60% schneller. Ihre Gehirnaktivität nahm jedoch um 47% ab. Auch nach dem Experiment blieb ihre Gehirnaktivität auf einem tieferen Niveau.

Noch schockierender: 83% der Teilnehmer, die KI nutzten, konnten sich nicht einmal an einen einzigen Satz erinnern, den sie geschrieben hatten. Im Gegensatz dazu hatten diejenigen, die den Text ohne KI geschrieben hatten, keine Probleme, sich zu erinnern.

Bemerkung zum Bild oben: Auf dem Bild sieht man die durchschnittliche Gehirnaktivität der drei Gruppen: 1) LLM (also KI-Nutzer), 2) Search (also Suchmaschinen-Nutzer) und 3) Brain (also ohne technische Hilfe).

Die Nutzung solcher Technologien führt also zum sogenannten Cognitive Offloading (deutsch: kognitive Entlastung) - bei der Menschen Gedächtnis- und Problemlösungsaufgaben an die Technologie “outsourcen”.

Das ist erstmal nichts Neues. Schon 2011 tauchte der Begriff Google-Effekt auf: Wenn wir wissen, dass wir jederzeit online Zugang zu Informationen haben, speichern wir sie natürlich nicht ab.

Dies setzt dann zwar mentale Ressourcen für andere Zwecke frei. Aber eine übermässige Abhängigkeit kann auch die Fähigkeiten zum kritischen Denken beeinträchtigen.

Wissenschaftler beschreiben dies als „kognitive Atrophie“, einen Prozess, bei dem kognitive Fähigkeiten aufgrund mangelnder Nutzung abnehmen.

Eine weitere Studie bestätigt dieses Phänomen. Je häufiger Menschen KI nutzen, desto schwächer schnitten sie beim kritischen Denken ab [Quelle]. Besonders betroffen waren Jüngere (17–25). Sie nutzten KI am meisten und hatten die niedrigsten Werte im kritischen Denken.

Was hat das alles nun mit Leadership zu tun?

Hier einige lose Gedanken und persönliche Schlussfolgerungen (ihr dürft diese gerne challengen):

1) Keine Panik.

Die Autoren der MIT-Studie haben explizit geschrieben: “Bitte verwenden Sie keine Wörter wie „dumm“, „blöd“, „Hirnverfall“ und so weiter. Das schadet dieser Arbeit sehr, da wir diese Begriffe in der Arbeit nicht verwendet haben.”

1972 waren über 70% der Lehrer gegen den Einsatz von Taschenrechnern in Schulen. Wohl aus dem selben Grund, aus dem Menschen heute den Einsatz von KI einschränken möchten: Angst vor der Veränderung.

2) Lass dir von KI helfen - lass nicht zu, dass es dich ersetzt

Bereits vor über 100 Jahren hat der Historiker Christian Lous Lange sinngemäss gesagt: “Technologie ist ein nützlicher Diener, aber ein gefährlicher Meister.”

In der MIT-Studie schnitten die Teilnehmer am besten ab, die zunächst selber nachgedacht haben und ihre Essays zu Beginn ohne Hilfe geschrieben hatten und erst in einem zweiten Schritt mit der Unterstützung von KI ihre Essays verbesserten.

Wir lassen beispielsweise unseren Newsletter nie von KI schreiben. Die Idee, die Schlüsselargumente und die erste Version des Textes kommt von uns. Erst in einem zweiten Schritt nutzen wir KI, um grammatikalische Fehler zu korrigieren und einige unklare oder besonders lange Sätze zu kürzen oder besser zu formulieren.

3) Wenn du es nicht nutzt, verlierst du es.

Zu viel kognitive Auslagerung schafft eine Kultur der Bequemlichkeit. Und eine bequeme Kultur ist im Ernstfall nicht krisenfest.

Führung lebt von Urteilskraft, von Empathie und Perspektivwechseln, von Sinnstiftung. Führungskräfte, die alles outsourcen, schwächen also genau die Muskeln, die sie benötigen, um erfolgreich zu sein.

Dasselbe gilt in Teams.

Zusammenarbeit funktioniert am besten, wenn Menschen unterschiedliche Perspektiven und Argumentationen einbringen. Wirklich neue Gedanken und Lösungen entstehen nicht durch Abkürzungen, sondern durch Reibung.

Wenn jedoch jeder seine ersten Gedanken an die KI auslagert, konvergieren Gruppendiskussionen zu schnell zu „durchschnittlichen“ Antworten. Womöglich werden die Diskussionen kürzer und die Einigungen schneller.

Doch das hat wenig mit Perspektivenvielfalt zu tun. Wer nur die schnelle Antwort sucht, opfert am Ende Kreativität.

Die entscheidende Frage lautet also: Wie nutzen wir KI - als Krücke oder als Werkzeug?

Letzten Monat hat unser Kollege Wolfgang Jenewein ebenfalls einen spannenden Beitrag über den Tsunami an KI-generierten Posts auf Linkedin gepostet - ebenfalls interessant zu Lesen (Link zum Beitrag).

Eine Frage für dich

Wie nutzt du KI?

Als Krücke oder als Werkzeug?

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