Montag, 19. Mai 2025 · Ausgabe Nr. 73
Gezieltes Üben
Dieser Newsletter beleuchtet den Unterschied zwischen bloßer Erfahrung und gezieltem Training in der Führung. Er argumentiert, dass wahre Expertise aus zielgerichteter, strukturierter Praxis mit klaren Zielen und konsequentem Feedback entsteht, anstatt nur jahrelange Erfahrung anzusammeln. Der Autor berät Führungskräfte, wie sie gezieltes Training implementieren können, indem sie Fähigkeiten zerlegen, spezifisches Feedback suchen und sich einer langfristigen Entwicklung verpflichten.
«Entscheidend ist nicht Zeit, sondern die sogenannte „Deliberate Practice", also gezieltes Üben.»
Liebe Freunde,
Diese Woche befassen wir uns mit dem Thema “Erfahrung” und dem Unterschied zu Deliberate Practice (gezieltes Üben).
Was zählt wirklich: Erfahrung oder Übung und gezielte Weiterentwicklung?
Viele Führungskräfte behaupten stolz: „Ich habe bereits sieben Jahre Führungserfahrung.“ Aber was bedeutet das eigentlich? Bedeutet mehr “Erfahrung” tatsächlich dass man in einer Tätigkeit besser ist?
Viele von uns kommen in Führungspositionen, weil wir zuvor in einer völlig anderen Rolle gute Leistungen gezeigt haben.
Dann sind wir plötzlich nicht mehr Experten für Vertrieb, Marketing oder Technik, sondern sollen zusätzlich Menschen führen.
Wir besuchen vielleicht einen kurzen Leadership-Kurs, lesen ein paar Bestseller – und das war’s. Danach hören wir auf, uns wirklich weiterzuentwickeln.
Doch macht uns das wirklich zu besseren Führungskräften?
Sehr fraglich.
Der Psychologe Anders Ericsson hat erforscht, was Spitzenleistung tatsächlich ausmacht.
Er hat herausgefunden: Es ist nicht einfach Talent oder jahrelange Routine.
Entscheidend ist nicht Zeit, sondern die sogenannte „Deliberate Practice“, also gezieltes Üben.
Deliberate Practices ist eine hochstrukturierte Tätigkeit mit dem klaren Ziel, die eigene Leistung zu verbessern, unter Anleitung eines Coaches oder Trainers und mit konstantem Feedback.
Es geht nicht darum, etwas einfach nur immer wieder zu tun – es geht darum, es gezielt und bewusst besser zu machen.
Was bedeutet das für Führungskräfte? Falls also Erfahrung alleine nicht reicht, wie wird man dann wirklich eine bessere Führungskraft?
1) Werde konkret: Nicht einfach sagen: „Ich will besser kommunizieren.“ Frage dich lieber:
Was genau bedeutet gute Kommunikation für mich?
Wo liegen meine Schwächen?
Wie sieht eine exzellente Kommunikation in meiner Situation aus?
Beispiel: Statt „besser präsentieren“ – „meinen Einstieg klarer strukturieren und überzeugender auftreten.“
2) Zerlege die Fähigkeit: Spitzenleistung entsteht nicht durch das Üben der gesamten Fähigkeit auf einmal, sondern durch das gezielte Trainieren von Einzelfertigkeiten.
Im Sport üben Tennisspieler Aufschlag, Beinarbeit und Return separat.
Im Leadership könnten das sein: aktives Zuhören, Feedback geben, oder Konflikte moderieren.
3) Suche gezielt Feedback: Schnelles und präzises Feedback ist der Schlüssel zu echter Entwicklung.
Nutze Coaches, Mentoren oder Kolleginnen und Kollegen.
Zeichne dich selbst in Gesprächen auf, notiere Beobachtungen und ziehe daraus direkte Schlüsse.
Und schliesslich: Spitzenleistung entsteht nicht in einer Woche. Sie ist die Summe bewusster Übung über Jahre hinweg. Langfristig, konstant dran zu bleiben ist wichtig.
Nun werden natürlich einige Führungskräfte entgegnen, dass sie leider keine Zeit dafür hätten.
Der Forscher Dan Pink fand heraus, dass 100 Stunden Übung in einem Jahr in einer bestimmten Tätigkeit bereits dafür sorgen, dass wir in dieser Tätigkeit besser werden als 95% der Menschen.
Das sind 18 Minuten pro Tag. Nur ein Jahr lang. Um in einer Tätigkeit zu den besten 5% zu gehören.
Führung ist nicht einfach nur „Zeit absitzen“ oder „Erfahrung sammeln“. Führung ist bewusste Entwicklung – Tag für Tag.
Eine Frage für dich
Wie bewusst entwickelst du deine Führungsfähigkeiten?
Wie genau? Und wie regelmässig?
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