Montag, 24. März 2025 · Ausgabe Nr. 66
Hanlons Rasiermesser
Dieser Newsletter stellt Hanlons Rasiermesser vor, ein Sprichwort, das besagt, man solle Dummheit nicht absichtlicher Bosheit zuschreiben, wenn dies ausreichend erklärt werden kann. Es betont, dass Missverständnisse und Nachlässigkeit mehr Verwirrung stiften als vorsätzliche Bosheit. Die Anwendung dieses Prinzips kann Individuen helfen, negative Annahmen über die Handlungen anderer zu vermeiden und eine verständnisvollere Perspektive zu fördern.
«Schreibe niemals der Bosheit zu, was durch Dummheit ausreichend erklärt werden kann.»
Liebe Freunde,
Diese Woche präsentieren Hanlon’s Rasiermesser - ein simples Sprichtwort, in dem viel Wahrheit steckt.
Umfrage der Woche
Letzte Woche haben wir euch gefragt, wie ihr euren Arbeitstag am Liebsten beginnt.
46% von euch beginnen den Tag mit E-Mails.
Wie im Newsletter von letzter Woche erläutert, gibt es viele Gründe, warum dies keine gute Idee ist.
1) Die wichtigste Aufgabe des Tages sollte zuerst erledigt werden. E-Mails stören dabei.
2) Für Produktivität ist es wichtig, bewusst zu handeln. Wenn wir mit E-Mails beginnen, wird unser Tag von anderen gesteuert.
3) Wenn wir ständig durch E-Mails abgelenkt werden, können wir nicht in einen Flow-Zustand kommen.
Die Umfrage dieser Woche: Immer mehr Unternehmen fordern die Mitarbeiter zurück ins Büro. Wie viel weniger Gehalt würdest du in Kauf nehmen, um Remote Work Möglichkeiten zu behalten?
Jetzt beantworten
Hanlon’s Rasiermesser
Hanlon’s Rasiermesser ist ein Sprichwort und besagt sinngemäss: Geh nicht von Böswilligkeit aus, wenn Dummheit als Erklärung genügt (engl. “Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity”).
Anders gesagt: Geh nicht davon aus, dass jemand dich verletzen wollte, wenn es vielleicht nur ein Versehen war.
Ähnlich schrieb bereits Goethe in ‘Die Leiden des jungen Werther’
“Missverständnisse und Nachlässigkeit stiften mehr Verwirrung in dieser Welt als List und Tücke. Die beiden letzteren sind jedenfalls viel seltener.”
Diese einfache Regel klingt zwar banal, ist aber ein wirklich guter Ratschlag.
Wir alle haben das schon erlebt.
Der Kollege, der auf eine E-Mail nicht antwortet.
Die Chefin, die deine neue Idee vergessen hat.
Der Freund, der zu spät kommt.
In all diesen Situationen ist es leicht, vom Schlimmsten auszugehen und zu denken
“Der Kollege antwortet bestimmt absichtlich nicht, weil ich letzte Woche im Meeting mit ihm nicht einverstanden war.”
“Ich habe so lange an der Idee gearbeitet und meinen ganzen Mut zusammengenommen, um das meiner Chefin zu präsentieren und sie ignoriert es einfach.”
“Ich habe einen wichtigen Termin verschoben, um mich mit meinem Freund zu verabreden und jetzt lässt er mich einfach warten.”
Doch wenn wir einen Moment pausieren und Hanlon’s Sprichwort anwenden, dann kann es ja auch sein, dass der Kollege womöglich bei einem wichtigen Projekt eine dringliche Deadline hat und in Arbeit versinkt, dass die Chefin die Idee einfach vergessen hat, weil ihr Kind seit vier Tagen krank ist und dass der Freund bei der Arbeit noch aufgehalten wurde und deswegen zu spät ist.
Die meisten Menschen haben es nicht auf uns abgesehen und wir müssen dem Drang widerstehen, ohne klare Beweise böse Motive zu unterstellen.
Das soll nicht heissen, dass es keine echte Bosheit gibt. Aber bei den meisten Interaktionen ist Unwissen eine weitaus bessere Erklärung als Böswilligkeit.
Menschen machen Fehler. Sie vergessen Dinge. Sie sprechen, ohne nachzudenken. Sie handeln auf der Grundlage unvollständiger Informationen und fallen Vorurteilen zum Opfer.
Von der einen Seite des Spielfelds betrachtet mögen diese Handlungen wie vorsätzliche Angriffe erscheinen, aber die Realität ist viel banaler.
Die Stanford Professorin Carole Robin beschreibt es so
Wir sollten uns die Situation als Tennisplatz vorstellen. Auf der einen Seite des Netzes sind die Motive der anderen Person und auf der anderen Seite ihr Verhalten.
Nun kann man beim Tennis nicht einfach über das Netz auf die andere Seite des Spielfelds klettern. Das wäre regelwidrig.
Doch in vielen Situationen tun wir genau das. Zum Beispiel, wenn wir der anderen Person böse Motive unterstellen.
Die Wahrheit sieht jedoch oft anders aus.
Deswegen sollten wir auch schwierige Gespräche mit einer möglichst objektiven Beschreibung unserer Wahrnehmung beginnen.
Anstatt zu sagen: “Du hörst mir nicht zu!”
Sollten wir sagen: “Wenn du während des Meetings an deinem Laptop bist, habe ich das Gefühl, dass du mir nicht zuhörst.”
Bleib auf deiner Seite des Spielfelds und beschreibe nur, was du siehst.
Eine Frage für dich
In welchen Situationen gehst du öfter von bösen Motiven aus?
Hast du dafür trifftige Beweise oder basiert diese Gefühl auf Annahmen?
Wie kannst du der anderen Person dies mitteilen, ohne über das Netz auf ihre Seite des Speilfelds zu steigen?
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