Montag, 9. September 2024 · Ausgabe Nr. 41
Der iPhone-Effekt
Dieser Newsletter untersucht die allgegenwärtigen Auswirkungen von Smartphones auf das tägliche Leben und beleuchtet deren Effekte auf kognitive Fähigkeiten, soziale Interaktionen und Führungspräsenz. Er präsentiert Statistiken zur Smartphone-Nutzung und Forschungsergebnisse zum „iPhone-Effekt", bei dem die bloße Anwesenheit eines Telefons die zwischenmenschliche Verbindung und die kognitive Leistung negativ beeinflusst. Der Artikel schließt mit praktischen Tipps zur Reduzierung der Smartphone-Abhängigkeit.
«Die bloße Anwesenheit eines Telefons reduzierte die emotionale Nähe, das Vertrauen, die Empathie und die Gesprächsqualität zwischen zwei Personen, selbst wenn es nicht benutzt wurde.»
Liebe Freunde,
Diese Woche: Innerhalb von nur 15 Jahren haben Smartphones unser Leben völlig verändert.
Und die Forschung zeigt, dass die Auswirkungen nicht nur positiv waren - insbesondere im Hinblick auf unsere kognitiven Fähigkeiten und unsere Fähigkeit, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten.
Leg dein Smartphone weg
Der durchschnittliche Deutsche nutzt sein Handy 17,5 Stunden pro Woche [1].
Für den durchschnittlichen Schweizer liegt diese Zahl sogar höher bei 20 Stunden pro Woche [2].
Aber das ist noch nicht alles. Hier sind einige weitere nachdenklich stimmende Statistiken:
Der Durchschnittsmensch schaut 46 bis 80 Mal am Tag auf sein Handy [3].
80% der Menschen greifen innerhalb von 15 Minuten nach dem Aufwachen zu ihrem Smartphone, und 62% tun dies sogar direkt nach dem Aufwachen [4].
29% der Menschen gaben an, dass ihr Smartphone bei jeder Mahlzeit dabei ist (d.h. auf dem Tisch) [5].
Es ist klar: Unsere Handynutzung ist explodiert.
Und das hat Konsequenzen. Besonders für unser soziales und berufliches Leben.
In einer Studie platzierten Forscher ein Handy auf einem nahegelegenen Tisch, während zwei Studienteilnehmer ein persönliches Gespräch führten. Die blosse Anwesenheit des Handys reduzierte die emotionale Nähe zwischen den zwei Personen, das Gefühl von Vertrauen, Empathie und die Gesprächsqualität [6]. Wichtig: Keiner der Gesprächsteilnehmer hat das Handy benutzt. Es lag nur im Sichtfeld.
Dieser Effekt wurde als "iPhone-Effekt" bekannt.
Ähnlich liessen Forscher in einer anderen Studie Studenten unterschiedliche komplexe Aufgaben ausführen, während ihre Handys sichtbar auf dem Tisch lagen. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe (ohne sichtbare Handys) schnitten sie signifikant schlechter ab [7]. Diese Studie wurde auch in einem leicht anderen Kontext repliziert – die Ergebnisse blieben gleich: Die blosse Anwesenheit eines Handys reduziert die Leistung bei kognitiven Aufgaben [8].
Die Grafik oben zeigt den Unterschied in der kognitiven Kapazität (blaue Balken) und der Reaktionszeit (graue Balken) in Abhängigkeit vom Standort des Handys (links: Handy auf dem Tisch, Mitte: Handy in der Tasche oder im Rucksack, rechts: Handy in einem anderen Raum).
Zusätzlich zeigte eine Microsoft-Studie, dass unsere durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von 12 auf 8 Sekunden gesunken ist (Hinweis: Ein Goldfisch hat eine Aufmerksamkeitsspanne von neun Sekunden) [9].
Nun, was hat das alles mit Führung zu tun?
Eine Beobachtung, die wir gemacht haben, ist, dass Handys in vielen Besprechungen, Workshops und sogar in sozialen Situationen wie einem Mittagessen präsent sind.
Gute Führungskräfte interessieren sich für ihre Mitarbeiter – für ihr Wohlbefinden, ihre Situation, ihre Ziele. Sie nehmen sich Zeit, sie kennenzulernen. Sie hören ihren Mitarbeitern zu. Sie sind empathisch und versuchen, ihre Sichtweise zu verstehen. All dies wird erschwert, wenn man das Handy gut ersichtlich auf dem Schreibtisch hat.
Und welches Signal sendest du deinen Mitarbeitern oder Kollegen, wenn du ständig auf dein Handy schaust?
In den Worten von Simon Sinek: „Das Halten deines Handys ist ein visuelles Signal, das jemandem sagt, dass er dir nicht so wichtig ist wie das Handy.“
Anstatt dein Handy in einer Besprechung, einem Gespräch oder in jeglicher sozialen Situation zu benutzen, sei präsent. Deine volle Präsenz ist ein starkes Signal dafür, dass die Person dir wirklich wichtig ist.
Hier sind noch ein paar weitere Tipps, die dir dabei helfen können
Überprüfe deine Handynutzung: Wenn du erst einmal merkst, wie viel Zeit du wirklich mit deinem Handy verbringst, wirst du wahrscheinlich schockiert sein.
Hol dir einen Wecker: Die meisten Leute behaupten, dass sie ihr Handy unbedingt als Wecker brauchen. Hol dir einen Wecker und nimm dein Handy nicht mit ins Schlafzimmer (netter Nebeneffekt: besserer Schlaf).
Benachrichtigungen: Schalte alle Benachrichtigungen/Notifications aus, vor allem aber die von sozialen Medien und Nachrichten-Apps.
Und der ultimative Hack: Besorg dir zwei Handys. Ein Handy ist dein normales Handy. Das zweite Handy ist dein "dummes Handy" und hat KEINE Apps installiert. Du gibst die Nummer deines "dummen Handys" nur an deine engsten Familienmitglieder und Freunde weiter. Wann immer du sozial (sprich mit anderen Menschen) unterwegs bist, nimmst du nur dein dummes Handy mit. Im Notfall kann man dich erreichen, aber sonst gibt es keine Ablenkungen.
Eine Frage für dich
Schläfst du mit deinem Handy neben deinem Bett?
Überprüfst du dein Handy in den ersten 15 Minuten nach dem Aufwachen?
Hast du dein Handy auf dem Schreibtisch liegen, während du arbeitest? Oder wenn du in einem Meeting bist?
Es lohnt sich, diese Entscheidungen zu überdenken.
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