← Das Archiv

Montag, 5. Januar 2026 · Ausgabe Nr. 103

Die Wissenschaft hinter Neujahrsvorsätzen

Goal Settingnew year resolutionsfresh start effectgoal settingmotivationpositive psychologyself-improvement

In dieser Ausgabe

Erforscht das psychologische Phänomen des „Fresh Start Effect" und dessen Relevanz für Neujahrsvorsätze. Der Newsletter unterscheidet zwischen ergebnisorientierten Zielen und Vermeidungszielen und hebt hervor, wie erstere effektiver für dauerhafte Veränderungen sind. Er behandelt auch die Bedeutung des Verständnisses des „Warums" hinter den eigenen Zielen.

«Der „Fresh Start Effect" hilft uns, unser vergangenes Verhalten von dem zu trennen, was wir in Zukunft anders machen wollen, und schafft so ein Gefühl eines Neuanfangs.»

Liebe Freunde,

Frohes neues Jahr! Wir hoffen, ihr konntet die Feiertage geniessen und neue Energie tanken.

Wir machen dort weiter, wo wir aufgehört haben: Auch im neuen Jahr liefern wir euch jeden Montag Denkanstösse, Impulse und Ideen.

Nun zum ersten Newsletter des Jahres: Wir sprechen natürlich über Neujahrsvorsätze - was die Forschung uns über Vorsätze lehrt und eine vielleicht bessere Alternative.

Was ist dein Leitwort des Jahres?

Wie jedes Jahr denke ich Anfang des Jahres über Ziele, Vorsätze und gute Absichten nach.

Neujahrsvorsätze haben aber keinen besonders guten Ruf. Insbesondere weil viele nicht lange halten. Nach ein paar Wochen ist der Alltag zurück - und mit ihm alte Muster.

Helfen Vorsätze also überhaupt?

Die Psychologie kennt dafür ein gut untersuchtes Phänomen: den „Fresh Start Effect“.

Bestimmte Zeitpunkte im Kalender - der Jahresanfang, ein Geburtstag oder der erste Tag nach den Ferien - wirken wie mentale Neustarts.

Forscher nennen diese Zeitpunkte Temporal Landmarks. Sie helfen uns dabei, unser bisheriges Verhalten von dem zu trennen, was wir in Zukunft anders machen wollen.

Psychologisch passiert dabei Folgendes

Wir schaffen eine klare Trennung zu unserem „alten Ich“. Frühere Fehler oder Versäumnisse werden der Vergangenheit zugeschrieben. Das vermittelt das Gefühl eines Neuanfangs.

Ungefähr so: “Diese undisziplinierte Person? Das war mein altes Ich. Die 2026-Version ist ganz anders.”

Dieser psychologische Trick gibt uns das Gefühl, dass Veränderung eher möglich ist.

Ein weiterer Effekt ist, dass wir stärker auf das grosse Ganze schauen. Am Wochenende oder in den Ferien sind wir weniger im Alltagswahnsinn, gewinnen somit etwas Distanz und können eher reflektieren und uns auf das Big Picture fokussieren.

Der Jahresanfang ist also tatsächlich kein schlechter Moment für Veränderungen.

Entscheidend ist jedoch auch, wie wir unsere Ziele formulieren.

Eine grosse Untersuchung aus dem Jahr 2020 begleitete über 1’000 Menschen mit Neujahrsvorsätzen über ein ganzes Jahr. Das Ergebnis: Menschen, die sich Ergebnisorientierte Ziele setzten, waren deutlich erfolgreicher als jene mit Vermeidungszielen (Quelle)

Ein ergebnisorientiertes Ziel beschreibt, was man erreichen möchte. Ein Vermeidungsziel beschreibt, was man vermeiden will.

Zum Beispiel: „Ich möchte mehr Sport treiben“ funktioniert besser als „Ich will nicht mehr so faul sein“.

Oder: „Ich will mich gesünder ernähren“ statt „Ich will aufhören, ungesund zu essen“.

Ergebnisorientierte Ziele geben eine klare Richtung vor. Sie zeigen, wohin man sich entwickeln möchte.

Vermeidungsziele richten den Fokus dagegen auf das Problem. Das kann demotivierend wirken und führt oft dazu, dass man schneller aufgibt.

Eine weitere Studie (Quelle) hat untersucht, wie wichtig es ist, über das Warum nachzudenken.

Es zeigte sich: Menschen investieren mehr Energie und bleiben eher dran, wenn sie zwei Fragen beantworten können. 1) Warum ist mir dieses Ziel wichtig? 2) Wie setze ich es konkret um?

Das „Warum“ bezieht sich auf den Sinn, die persönliche Bedeutung. Das „Wie“ beschreibt konkrete Schritte, zum Beispiel wann, wie oft oder auf welche Weise man handelt.

Nur über den Sinn nachzudenken reicht nicht. Nur Massnahmen festzulegen auch nicht.

Erst die Kombination erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein Ziel länger zu verfolgen.

Was lernen wir daraus?

1) Der Jahresanfang kann Motivation auslösen, ersetzt aber keine klare Zielsetzung.

2) Ziele sollten positiv formuliert sein und eine Richtung vorgeben, nicht nur Verzicht verlangen.

3) Ein Ziel wird greifbarer, wenn das „Warum“ mit konkreten Schritten verbunden ist.

Und dann bin ich noch über einen ganz anderen Ansatz gestolpert.

Der Autor Dan Pink schlägt vor, sich statt vieler Ziele ein einziges Wort für das Jahr auszusuchen.

Das Wort steht für die Haltung, die man im kommenden Jahr einnehmen möchte.

Es soll so Orientierung geben und bei Entscheidungen helfen. Eine Art innerer Kompass. Zum Beispiel „Fokus“, „Gelassenheit“ oder „Disziplin“.

Mein Wort für dieses Jahr ist Mut.

Ich möchte mutiger entscheiden. Weniger absichern. Mehr wagen. Auch auf die Gefahr hin, Fehler zu machen.

Vielleicht geht es also weniger darum, perfekte Vorsätze und Ziele zu formulieren. Sondern darum, sich bewusst zu machen, in welche Richtung man sich entwickeln möchte.

Eine Frage für dich

Was ist dein Leitwort für dieses Jahr?

Hat dieser Newsletter dir gefallen? Dann leite ihn an jemanden weiter, dem er auch gefallen könnte. Die Person kann den Newsletter hier abonnieren.