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Montag, 4. November 2024 · Ausgabe Nr. 48

Die Rosenthal-Studie: Wie Erwartungen die Leistung prägen

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In dieser Ausgabe

Dieser Newsletter beleuchtet, wie Erwartungen die Leistung beeinflussen, basierend auf der Rosenthal-Studie, in der die Überzeugungen von Lehrern über das Potenzial von Schülern zu signifikanter akademischer Entwicklung führten. Er betont, dass das Mindset und Verhalten einer Führungskraft gegenüber ihren Teammitgliedern die Entwicklung und Leistung der Mitarbeiter tiefgreifend beeinflussen kann, und fordert Führungskräfte auf, ihre eigenen Vorurteile zu reflektieren und ein unterstützenderes Umfeld zu fördern.

«Unsere Überzeugungen und Erwartungen prägen unser Verhalten. Und unser Verhalten gegenüber unseren Mitarbeitenden prägt deren Überzeugungen und deren Leistung.»

Liebe Freunde,

Diese Woche zeigen wir, wie unsere Erwartungen zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen führen können. Und was das für unsere Mitarbeiter und Kollegen bedeutet.

Wie du Menschen siehst, so behandelst du sie

„Ich verstehe ja eure Argumente zur Entwicklung meiner Mitarbeiter durch Coaching und Feedback, aber das Problem ist: Das würde bei MEINEN Mitarbeitern nicht funktionieren“.

Dies ist eine der häufigsten Aussagen, die wir in unseren Seminaren hören.

Wenn du das auch schon mal so gedacht hast, hier ist eine kurze Geschichte für dich

Im Jahr 1965 entwickelte der Harvard-Psychologe Robert Rosenthal einen wissenschaftlichen Test, der das Potenzial eines Schülers genau vorhersagen konnte.

Er wandte sich an eine Schule in Kalifornien und bot ihr an, den Test mit all ihren Schülern durchzuführen. Die Schule stimmte zu, und jeder einzelne Schüler musste den Test absolvieren.

Die Lehrer erhielten dannach die Namen der Schüler, die ein sehr hohes Potenzial aufwiesen. Ihnen wurde gesagt, dass diese Schüler unabhängig von ihren bisherigen Leistungen ein „enormes Potenzial für intellektuelles Wachstum“ hätten und hochbegabt waren.

Ein Jahr später kehrte Rosenthal an die Schule zurück, um zu messen, wie gut diese “Hochbegabten” im Vergleich zum Rest abgeschnitten hatten.

Wie vorhergesagt, schnitten diese Schüler extrem gut ab.

So hatten die hochbegabten Erstklässler ihre IQ-Werte im Durchschnitt um 27 Punkte gesteigert (mehr als doppelt so viel wie der Rest der Klasse).

Und die Hochbegabten wurden von ihren Lehrern als besonders neugierig und fröhlich beschrieben.

Jetzt kommt die überraschende Wendung

Rosenthals Test war fake.

Die Schüler mit hohem Potenzial wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.

Und bei dem Experiment ging es nicht darum, dass der Test die Begabung der Schüler identifizierte. Stattdessen ging es darum, wie die Denkweise (und die Erwartungen) der Lehrer ihr Verhalten gegenüber den hochbegabten Schülern verändert hatten.

Unsere Überzeugungen und Erwartungen prägen unser Verhalten. Und unser Verhalten gegenüber anderen Menschen prägt deren Überzeugungen und ihre Leistung.

Rosenthal stellte nämlich fest, dass die Lehrer ihr Verhalten gegenüber den hochbegabten Schülern auf vier Arten verändert hatten:

Herzlichkeit: Die Lehrer waren freundlicher zu den hochbegabten Schülern, waren aufmerksamer und fühlten sich ihnen mehr verbunden.

Input: Die Lehrer forderten die Hochbegabten mehr heraus und stellten ihnen mehr Lernmaterial zur Verfügung.

Interaktion: Die Lehrer sprachen die Schüler mit hohem Potenzial häufiger an und hörten ihnen aufmerksamer zu.

Feedback: Die Lehrer gaben den Hochbegabten mehr Feedback. Wenn die Hochbegabten Fehler machten, glaubten die Lehrer, dass sie selbst die Inhalte nicht gut genug erklärt hatten.

Wenn wir Menschen von vornherein abschreiben, können sie ihr Potenzial nicht voll entfalten.

Wenn wir glauben, dass unsere Mitarbeiter sich nicht entwickeln und verbessern können, müssen wir zuerst an unserer Einstellung arbeiten.

Wir sagen gerne: Jeder kann in irgendetwas Sache ein Genie sein.

Eine grossartige Führungskraft wird herausfinden, was dieses „Etwas“ für jeden ihrer Mitarbeiter ist.

Eine Frage für dich

Gibt es bei dir Mitarbeiter oder Kollegen, die du bereits als wenig leistungsfähig eingestuft hast?

Könnte ihre Leistung auf das Umfeld und den Mangel an Aufmerksamkeit und Erwartungen zurückzuführen sein?

Könnte mehr Wärme, Input, Interaktion oder Feedback von dir einen positiven Einfluss auf ihre Leistung haben?

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