Montag, 13. Januar 2025 · Ausgabe Nr. 56
Ideen, um Innovationen zu fördern
Dieser Newsletter untersucht, wie bekannte Unternehmen Innovationen fördern. Er erörtert häufige Herausforderungen, denen große Organisationen bei der Förderung neuer Ideen begegnen, und präsentiert 12 Strategien, die von verschiedenen Unternehmen angewendet werden, um eine Innovationskultur zu fördern, die von der Bürogestaltung bis zu speziellen Innovationsprogrammen reicht.
«83% der Führungskräfte halten Innovation für eine der drei wichtigsten Prioritäten ihres Unternehmens, doch viele haben Schwierigkeiten, ihre Innovationsfähigkeit systematisch zu steigern.»
Liebe Freunde,
Diese Woche haben wir uns mal angeschaut, wie bekannte Unternehmen versuchen Innovationen zu fördern und stellen zahlreiche dieser Massnahmen vor.
12 Möglichkeiten, um Innovationen zu fördern
Um in einem sich schnell verändernden Umfeld zu überleben, benötigt jedes Unternehmen Innovationen.
Laut einer Studie der Boston Consulting Group zählen tatsächlich 83% der Führungskräfte Innovationen zu den drei wichtigsten Prioritäten ihrer Unternehmen [Quelle].
Und trotzdem scheint niemand so recht zu wissen, wie man die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens gezielt steigern kann.
Insbesondere grosse Unternehmen und Konzerne hadern damit. Die Gründe sind unserer Erfahrung nach oftmals die folgenden:
Bürokratische Trägheit: In grossen Unternehmen gibt es viele Abteilungen, Regeln und Entscheidungsträger. Diese zusätzliche „Bürokratie“ bedeutet, dass es lange dauert, bis neue Ideen genehmigt oder getestet werden.
Angst, das Boot ins Wanken zu bringen: Wenn ein Unternehmen bereits mit bestehenden Produkten und Dienstleistungen Geld verdient, kann es sein, dass die Geschäftsleitung diese Stabilität nicht aufs Spiel setzen will. Diese Angst kann innovative Ideen verlangsamen oder sogar ganz verhindern.
Komplexe Hierarchie: Bei so vielen Mitarbeitern und Managern kann es leicht passieren, dass kreative Ideen im System verloren gehen. Mehrfache Genehmigungen und Übergaben können neue Ideen verwässern oder verzögern.
Kurzfristige Ziele: Grosse Unternehmen konzentrieren sich oft auf die Erreichung von Quartalszielen, um Investoren zufrieden zu stellen. Dieser kurzfristige Fokus kann längerfristige, risikoreichere Projekte überschatten, die sich auf lange Sicht mehr auszahlen könnten.
Kulturelle Trägheit: Wenn ein Unternehmen erst einmal gross geworden ist, kann es in seinen Gewohnheiten erstarren - es hält lieber an dem fest, was in der Vergangenheit funktioniert hat, als sich auf Veränderungen einzulassen. Den Status quo in Frage zu stellen und zu experimentieren benötigt einen kulturellen Wandel.
Trotzdem gibt es einige Methoden, wie grosse Unternehmen versuchen Innovationen zu fördern.
Im Folgenden stellen wir 12 solche Massnahmen vor (wichtig: es handelt sich hierbei nur um eine Sammlung, die zur Inspiration dient - ob diese Massnahmen wirken, hängt natürlich von der Umsetzung ab):
1) Spielplatz-Elemente im Büro
Unternehmen wie Google und Red Bull statten ihre Büros mit Elementen aus, die eine Spielplatz-Atmosphäre schaffen.
Natürlich machen Pingpong-Tische allein ein Unternehmen nicht innovativer. Aber die Idee ist, dass Kreativität oft dann entsteht, wenn wir uns in einem entspannten oder verspielten Zustand befinden.
Tatsächlich deuten wissenschaftlichen Studien darauf hin, dass Spielen ein Vorläufer für Lernen, kreatives Denken, Motivation und andere positive Ergebnisse und Zustände ist [Quelle].
2) Autonomie und die 20%-Regel
Einige Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit an eigenen Projekten arbeiten.
Google hat diesen Idee 2004 mit der 20%-Regel populär gemacht. Die Initiative erlaubte den Mitarbeitern, 20 % ihrer bezahlten Arbeitszeit für persönliche Projekte zu verwenden. Produkte wie Gmail und AdSense sind aus diesem Programm hervorgegangen.
Tatsächlich deuten Studien darauf hin, dass Autonomie der Mitarbeiter die Innovationskraft eines Unternehmens steigert [Quelle]
3) Wettbewerbe und Innovationspreise
Einige Unternehmen vergeben regelmässige Preise/Awards für die beste Idee oder das innovativste Projekt.
So gab es 2007 bei Cisco einen Innovationswettbewerb mit dem Namen I-Prize. Ziel war es, eine Idee zu finden, die für das Unternehmen zu einem neuen Milliardengeschäft werden könnte. Am Ende reichten mehr als 2’500 Teams aus 104 Ländern rund 1’200 verschiedene Ideen ein [Quelle].
Bei Dell gibt es die Innovations-Olympiade, bei dem Mitarbeiter ihre innovativen Ideen den Führungskräften pitchen und Kapital für ihre Projekte gewinnen können.
Dieselbe Idee gibt es auch bei Siemens, wo im sogenannten Quickstarter-Programm Teams mit neuen Ideen gegeneinander antreten und Ressourcen für die Realisierung ihrer Ideen gewinnen können.
Einige Studien deuten darauf hin, dass solche Wettbewerbe die Anzahl der Patente in Unternehmen erhöhen können [Quelle].
4) Visuelle Symbole
Einige Unternehmen verwenden Symbole, um die Bedeutung von Innovationen zu unterstreichen und die Mitarbeiter daran zu erinnern, dass Innovationen wichtig sind.
Google zum Beispiel hat in ihrem Hauptquartier ein grosses Dinosaurierskelett (namens Stan), um zu zeigen, dass der Erfolg von heute nicht das Überleben von morgen garantiert.
Amazon stellt in ihren Büros überall auf der Welt sogenannte “Tür-Schreibtische” auf. Damit will das Unternehmen an die Anfangszeiten des Unternehmens erinnern als die Mitarbeiter aus alten Türen Schreibtische gebastelt haben, weil richtige Schreibtische zu teuer waren.
5) Innovationsboxen
Adobe verwendet Toolkits, die so genannte Kickbox, um Mitarbeiter zu ermutigen, mit kreativen Ideen zu experimentieren.
Die Kickbox ist eine rote Box mit Ressourcen, die den Mitarbeitern helfen, Ideen in umsetzbare Projekte zu verwandeln. Sie enthält unter anderem eine Prepaid-Kreditkarte mit 1’000 Dollar für Experimente und Prototypen, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Innovationsprozess, Post-its, Notizbücher und andere Brainstorming-Tools.
Auch das Schweizer Telekomunternehmen Swisscom hat die Kickbox-Idee erfolgreich umgesetzt [Quelle]
6) Innovationslabore
Einige Unternehmen errichten spezielle Abteilungen oder Tochtergesellschaften, die als Innovationslabore agieren und sich ausschliesslich mit innovativen Projekten befassen.
Ein Beispiel ist (wieder einmal) Google und das Projekt X, das sich mit wirklich innovativen Produkten wie Lieferdrohnen und selbstfahrenden Autos befasste.
Bei Microsoft gibt es die Idee ebenfalls - dort heisst das Innovationslabor Microsoft Garage.
Sogar das Energieunternehmen Shell hat ein Innovationslabor namens GameChanger - welche an Ideen zur Reduktion von Treibhausgasen arbeitet.
7) Crowdsourcing
Eine weitere Möglichkeit Innovationen zu fördern, ist Crowdsourcing. Dabei erhalten zum Beispiel die Kunden die Möglichkeit mitzubestimmen, welche neuen Produkte oder Features entwickelt werden sollen.
Zum Beispiel, nutzt LEGO Crowdsourcing, um zu entscheiden, welche neuen Lego-Sets entwickelt werden sollen [Quelle].
Auch bei IKEA gibt es Kunden Co-Creation Programme, bei dem Kunden neue Produktideen vorschlagen können.
Und bei Microsoft gibt es das Microsoft Insider Program, bei dem Fans des Unternehmens vor der Veröffentlichung von neuen Produkten diese testen können und Feedback geben.
8) Zukunftsforscher
Manche Unternehmen beschäftigen tatsächlich Zukunftsforscher, die ihnen dabei helfen zukünftige Trends zu prognostizieren.
Ein Beispiel ist der Autohersteller Ford, der dafür sogar eigens eine neue Rolle geschaffen hat - einen Chief Futurist [Quelle].
Auch bei Adidas gibt es ein Future Team, das mit Zukunftsforschern an neuen Trends arbeitet.
Manche Unternehmen beschäftige sogenannte Innovationsscouts - also Mitarbeiter, deren Aufgabe es ausschliesslich ist neue Innovationen zu entdecken. Ein Beispiel dafür ist Samsung.
9) Partnerschaften
Eine weitere Möglichkeit Innovationen zu fördern, ist die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. Unilever arbeitet beispielsweise eng mit ausgewählten Startup-Partnern zusammen, und lässt sich von ihnen inspirieren und beraten, um neue Produkte zu entwickeln.
Bei IBM gibt es ausserdem Idea Jams - das sind grosse Online Brainstorming Sessions, bei dem Mitarbeiter und externe Partner zusammenarbeiten, um neue Ideen zu generieren.
10) Misserfolge feiern
Manche Unternehmen veranstalten F**k-up Nights, an dem Mitarbeiter über ihre Misserfolge erzählen, um so die Fehlerkultur zu stärken.
Bei Tata gibt es sogar ein Failure Festival, an dem die grössten Misserfolge gefeiert werden.
Bei Spotify gibt es im Büro eine “Fail Wall”, an dem Teams ihre Misserfolge und die gewonnenen Lektionen teilen.
11) Reverse Mentoring
Mentorenprogramme sind in vielen Unternehmen bereits etabliert.
Manche Unternehmen aber arbeiten mit sogenannten Reverse Mentoring Programmen, bei dem junge Mitarbeiter erfahrene Führungskräfte beraten. Sie vermitteln eine andere Perspektive und sind eher mit neuen Trends vertraut.
General Electric hat bereits in den 1990er-Jahren solche Reverse Mentoring Programme eingeführt.
Auch bei Google werden im Buddy System neue Mitarbeiter mit erfahrenen Mitarbeitern zusammengebracht.
12) Innovationstrips
Eine weitere Möglichkeit Innovationen zu fördern, ist es Studienreisen zu unternehmen. Viele Unternehmen bieten beispielsweise ihren Teams Trips ins Silicon Valley an, um sie den Spirit dort spüren zu lassen.
Ähnlich gibt es bei Nike Innovations-Retreats - an dem die Mitarbeiter gemeinsam an neue Orte reisen und dort gezielt an Innovationen und neuen Ideen arbeiten.
Bei Airbnb können die Mitarbeiter auch Hosts (also Anbieter von Wohnungen) besuchen, um ihre Bedürfnisse besser zu verstehen.
Was haben all diese Methoden und Ideen gemeinsam?
Es geht allen darum, neue Perspektiven, Kreativität und Experimentierfreude zu fördern und die Angst vor dem Scheitern zu nehmen.
Schliesslich sind das die Grundpfeiler der Förderung einer Innovationskultur.
Eine Frage für dich
Welche dieser Massnahmen oder auch andere Ideen möchtet ihr umsetzen, um die Innovationskraft bei euch im Unternehmen zu fördern?
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